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Uhren als Wertanlage 2026: Welche Marken wirklich Potenzial haben – und welche nicht

Dieser Ratgeber beantwortet die entscheidende Frage beim Thema Uhren als Wertanlage: nicht „Lohnt sich das überhaupt?”, sondern „Welche Uhr hat 2026 konkret Potenzial als Wertanlage – und warum bieten selbst sehr bekannte Namen wie Rolex oder Omega dieses Potenzial inzwischen nur noch begrenzt?” Denn genau hier liegt der Denkfehler vieler Einsteiger: Sie kaufen, was gerade überall sichtbar ist, anstatt zu verstehen, in welche Richtung sich der Markt tatsächlich bewegt. Wer in Uhren investieren möchte, sollte wissen, dass sich gerade eine ganze Nische neu formiert und dass genau dort Marken zu finden sind, die kaum jemand auf dem Schirm hat.

Warum gelten Uhren 2026 als attraktive Geldanlage?

Uhren gelten als attraktive Geldanlage, da der Markt für gebrauchte Luxusuhren laut Branchenprognosen strukturell wächst, allerdings nicht gleichmäßig über alle Marken hinweg. Ein Bericht des Beratungsunternehmens Deloitte geht davon aus, dass das Segment der Vintage-Luxusuhren bis zum Ende dieses Jahrzehnts um 75 Prozent wachsen und damit mehr als die Hälfte des Primärmarktes ausmachen könnte. Der jährliche Umsatz mit gebrauchten Uhren soll von derzeit rund 20 Milliarden Schweizer Franken bis 2030 auf etwa 35 Milliarden Franken steigen, was umgerechnet rund 35,5 Milliarden Euro entspricht. Diese Zahl ist jedoch ein Gesamtmarktwert. Welche Marken davon profitieren und welche nicht, zeigen aktuelle Marktauswertungen sehr deutlich.

Patek Calatrava 3591 WG blue stehend
lim Cartier Tank must Art Deco 1614 stehend

Wie hat sich der Markt für Investment-Uhren seit Corona verändert?

Dresswatches feiern ihr Comeback, da Sammler nach der Euphorie für Sportuhren wieder zu den Wurzeln der klassischen Uhrmacherkunst zurückkehren möchten: schlichtes Design, aber technisch und historisch außergewöhnlich. Die bereits erwähnte Chrono24-Auswertung über fünf Jahre bestätigt diesen Trend mit konkreten Zahlen. Cartier verzeichnete im Durchschnitt ein Wachstum von 39,06 Prozent, wobei designorientierte Dresswatches wie die Santos teilweise mehr als das Doppelte ihres früheren Werts erzielten. Auch eine aktuelle Marktanalyse von Blickpunkt Juwelier zeigt die Konzentration dieses Trends: Cartier macht demnach rund 66,7 Prozent der Verkäufe gebrauchter Dresswatches aus, Jaeger-LeCoultre folgt mit etwa 13,3 Prozent auf Platz zwei – deutlich vor Rolex, IWC oder Patek Philippe in diesem spezifischen Segment.

Jaeger Reverso Wrist

Genau in diese Nische passen Jaeger-LeCoultre und Girard-Perregaux hervorragend hinein. Jaeger-LeCoultre gilt in Uhrmacherkreisen als „Manufaktur der Manufakturen”: Jahrzehntelang hat die Marke Kaliber an andere Luxushäuser wie Audemars Piguet oder Patek Philippe geliefert, ohne dafür die gleiche öffentliche Anerkennung zu bekommen. Diese Diskrepanz zwischen tatsächlichem uhrmacherischem Niveau und moderatem Preisniveau beschreibt das Fachmagazin Fratello Watches in seiner Analyse zu Neo-Vintage-Modellen der Marke auch als „fruchtbaren Boden für Enthusiasten nach einem relativen Schnäppchen” – ein Hinweis darauf, dass der Markt das Potenzial hier noch nicht vollständig eingepreist hat. Girard-Perregaux wiederum gilt mit der „Tourbillon mit drei Goldbrücken” aus dem Jahr 1884 als einer der Pioniere der Komplikationskunst überhaupt – ein historisches Alleinstellungsmerkmal, das bei sehr geringen Produktionszahlen zunehmend neu entdeckt wird. Auch Cartier profitiert von dieser Entwicklung: Historische Formen wie die Tank oder die Crash stehen für das, was Sammler aktuell suchen – unrunde, elegante Gehäuseformen mit echter Design-Geschichte statt reiner Sportlichkeit.

Warum haben Marken wie Panerai oder Chronoswiss dieses Potenzial nicht?

Panerai und Chronoswiss verfügen nicht über dieses Potenzial, da ihnen genau die Faktoren fehlen, die bei Jaeger-LeCoultre, Girard-Perregaux und Cartier den Unterschied ausmachen. Bei Panerai zeigt sich das inzwischen auch in harten Zahlen: Die bereits zitierte Chrono24-Auswertung weist für die Marke einen Wertverlust von 16,88 Prozent über fünf Jahre aus – den schlechtesten Wert aller untersuchten Marken. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Panerai wurde in den 2000er- und frühen 2010er-Jahren sehr stark vermarktet und in großer Stückzahl produziert. Die Modelle sind auf dem Sekundärmarkt entsprechend weit verbreitet, wodurch die Exklusivität spürbar verwässert wird. Chronoswiss ist zwar eine traditionsreiche deutsche Marke, hat aber mehrfach den Besitzer gewechselt und konnte international nie das Manufaktur-Renommee aufbauen, das Sammler für eine echte Wertsteigerung erwarten. Eine Einschätzung, die sich in der Praxis bestätigt, auch wenn für diese kleinere Marke keine vergleichbar große Indexauswertung vorliegt. Andreas Hildebrand, Inhaber und Geschäftsführer von Watches24 mit rund 20 Jahren Erfahrung im Uhrenhandel, bringt es auf den Punkt: Eine Uhr steigt nicht im Wert, weil sie gut aussieht, sondern weil eine kritische Masse an Sammlern eine begrenzte Stückzahl mit nachvollziehbarer Geschichte haben will.

Warum haben selbst Rolex und Omega nicht mehr das große Wertsteigerungspotenzial?

Rolex und Omega haben nicht mehr das große Wertsteigerungspotenzial, da beide Marken inzwischen sehr bekannt sind und weit verbreitet, sodass die Knappheit fehlt, die echte Wertsteigerung erst möglich macht. Zwar legten beide Marken laut Chrono24 über einen Zeitraum von fünf Jahren noch moderat zu – Omega um 27,81 Prozent und Rolex um 27,59 Prozent –, doch der Chronopulse-Uhrenindex von Watchtime zeigt ein aktuelleres und differenzierteres Bild: Im zuletzt ausgewerteten Quartal verlor Rolex auf dem Sekundärmarkt 1,74 Prozent, während Cartier im selben Zeitraum um 6,14 Prozent zulegte. Der Index kommentiert dies mit dem Hinweis, dass Rolex zwar „stärker als vor dem Hype” sei, die kurzfristige Dynamik aber klar bei anderen Marken liege. Das bedeutet jedoch nicht, dass Rolex- und Omega-Uhren schlechte Investitionen sind – im Gegenteil, sie sind äußerst liquide und lassen sich fast überall wieder verkaufen. Genau diese Liquidität ist jedoch etwas anderes als Wertsteigerungspotenzial: Rolex und Omega fungieren heute eher als stabiler Grundstock im Portfolio und weniger als Hebel für überdurchschnittliche Renditen. Einige Besonderheiten sind die Rolex Pepsi, die eingestellt ist, oder die Rolex Kermit. Dieser Hebel wird aktuell eher von kleineren, historisch fundierten Manufakturen mit sehr begrenzter Produktion hergestellt.

Marken-Übersicht: Wo liegt 2026 Potenzial – und wo eher nicht?

Die folgende Einschätzung kombiniert die zitierten Marktdaten mit der praktischen Einordnung von Andreas Hildebrand und ersetzt keine individuelle Beratung, da sich Trends im Uhrenmarkt verschieben können:

Marke Einschätzung 2026 Warum
Jaeger-LeCoultre Hohes Potenzial In-House-Manufaktur mit Lieferhistorie an Top-Marken. Laut Fratello Watches noch „relativer Schnapper“ und bereits zweitstärkste Dresswatch-Marke im Gebrauchtmarkt.
Girard-Perregaux Hohes Potenzial
(Geheimtipp)
Historische Tourbillon-Pionierarbeit, sehr geringe Stückzahlen und geringe Bekanntheit außerhalb der Sammlerszene.
Cartier
(Privé-Linie, Vintage-Formuhren)
Hohes Potenzial Laut Chrono24 +39,06 % über 5 Jahre. Dominiert mit rund zwei Dritteln den Gebraucht-Dresswatch-Markt.
F.P. Journe Sehr hohes Potenzial Extrem kleine Stückzahlen und kaum regulärer Zugang.
A. Lange & Söhne
(seltene Editionen)
Hohes Potenzial bei Raritäten Sehr geringe Stückzahl und gestiegenes Sammlerbewusstsein für Details wie Goldarmbänder.
Rolex / Omega
(Kernmodelle)
Stabil, aber kaum noch Wertsteigerungspotenzial Hohe Produktionszahlen. Laut Chronopulse-Index zuletzt leicht rückläufig (Rolex −1,74 % im Quartal). Hohe Liquidität statt Knappheit.
Panerai Geringes Potenzial Laut Chrono24 −16,88 % über 5 Jahre – schlechtester Wert im Markenvergleich.
Chronoswiss Geringes Potenzial Mehrfacher Eigentümerwechsel, geringe internationale Bekanntheit und dünner Wiederverkaufsmarkt.

Worauf müssen Sie bei Zustand und Echtheit achten?

Zustand und Echtheit entscheiden darüber, ob selbst eine grundsätzlich gut gewählte Uhr tatsächlich an Wert gewinnt. Achten Sie beim Kauf insbesondere auf folgende Punkte:

  • Die Uhr sollte einwandfrei funktionieren.
  • Das Zifferblatt sollte keine Fehler oder Haarrisse aufweisen.
  • Gehäuse und Metallband sollten möglichst nicht poliert sein.
  • Alle Teile sollten im Original vorliegen – "Aftermarket"-Teile mindern den Wert erheblich.
  • Ein "Full Set" mit Box, Papieren und Hangtags ist deutlich wertvoller als eine Uhr "Watch only".

Andreas Hildebrand weist darauf hin, dass eine fundierte Bewertung bei Nischenmarken wie Jaeger-LeCoultre oder Girard-Perregaux noch wichtiger ist als bei Rolex. Denn es gibt schlicht weniger Vergleichswerte und Experten, die diese Modelle korrekt einschätzen können.

Welche Risiken sollten Sie einplanen?

Ein Punkt, der in vielen Ratgebern fehlt, ist der folgende: Ein Großteil der auf dem Markt angebotenen Uhren – nach Praxiseinschätzung rund 80 Prozent – verliert langfristig an Wert, da es an Nachfrage oder Seltenheit fehlt. Das gilt auch für aktuell gehypte Nischenmarken. Ein Trend kann sich wieder abschwächen und selbst Marken wie Girard-Perregaux oder Jaeger-LeCoultre sind keine Garantie. Vielmehr ist eine fundierte Einschätzung auf Basis von Historie, Stückzahl und – wie die zitierten Marktdaten zeigen – messbarer Nachfrageentwicklung erforderlich. Wer größere Summen investieren möchte, sollte sich daher intensiv mit dem Thema beschäftigen, statt sich allein auf Markennamen zu verlassen.

Uhren als Wertanlage lohnen sich vor allem dort, wo Geschichte, Seltenheit und uhrmacherisches Niveau zusammenkommen, und nicht automatisch dort, wo der Name am bekanntesten ist.

Häufig gestellte Fragen zur Wertsteigerung von Uhren

Welche Uhrenmarken haben 2026 das größte Wertsteigerungspotenzial?

Aktuell besonders interessant sind Marken, die ins Dresswatch-Comeback passen. Dazu gehören Cartier, das laut einer Chrono24-Auswertung über fünf Jahre um 39 Prozent zulegte, sowie Jaeger-LeCoultre als zweitstärkste Dresswatch-Marke auf dem Gebrauchtmarkt. Auch Girard-Perregaux, der für seine historische Tourbillon-Pionierarbeit bekannt ist, sowie FP Journe und seltene A.-Lange-&-Söhne-Editionen gelten als vielversprechend. Entscheidend sind dabei immer geringe Stückzahlen, eine belegbare Historie und echtes uhrmacherisches Niveau statt reiner Markenbekanntheit.

Warum haben Rolex und Omega nicht mehr das gleiche Wertsteigerungspotenzial wie früher?

Da beide Marken sehr hohe Stückzahlen produzieren und somit sehr breit verfügbar sind, fehlt die Knappheit, die eine echte Wertsteigerung ermöglicht. Laut dem Chronopulse-Index verlor Rolex zuletzt im Quartalsvergleich rund 1,7 Prozent, während Cartier im selben Zeitraum um über 6 Prozent zulegte. Rolex und Omega sind äußerst liquide und leicht wiederverkäuflich. Sie eignen sich damit eher als stabiler Grundstock im Portfolio als als Hebel für überdurchschnittliche Renditen.

Was macht Dresswatches 2026 gerade so gefragt?

Nachdem in den letzten Jahren Sportuhren wie die Nautilus oder die Royal Oak im Fokus standen, suchen Sammler aktuell wieder nach klassischer Eleganz mit nachvollziehbarer Geschichte. Laut Marktdaten entfallen inzwischen rund zwei Drittel der Verkäufe gebrauchter Dresswatches auf Cartier, gefolgt von Jaeger-LeCoultre. Beide Marken profitieren davon, dass ihre historischen Modelle genau dieses Profil erfüllen: klassische Gehäuseformen, komplexe Uhrmacherkunst und meist deutlich geringere Stückzahlen als bei den großen Sportuhren-Ikonen.

Lohnt es sich, in Nischenmarken wie Girard-Perregaux oder Jaeger-LeCoultre zu investieren?

Nischenmarken können ein attraktives Potenzial bieten, da ihr Preisniveau oft noch nicht ihrem tatsächlichen uhrmacherischen Niveau entspricht. So bezeichnet das Fachmagazin Fratello Watches Jaeger-LeCoultre explizit als „relatives Schnäppchen”. Gleichzeitig ist das Risiko höher, da es weniger Vergleichswerte und Experten gibt, die den Zustand und die Echtheit solcher Modelle zuverlässig einschätzen können. Wer hier investieren möchte, sollte daher besonders auf eine fundierte Beratung achten, statt allein auf den aktuellen Hype zu setzen.

Warum gelten Panerai oder Chronoswiss nicht als besonders gute Investment-Uhren?

Laut einer Langzeitauswertung von Chrono24 verzeichnete Panerai über einen Zeitraum von fünf Jahren einen Wertverlust von fast 17 Prozent und erzielte damit den schlechtesten Wert im Markenvergleich. Grund hierfür ist die sehr hohe Produktion in den 2000er- und 2010er-Jahren, wodurch die Exklusivität auf dem Sekundärmarkt spürbar gesunken ist. Chronoswiss hat mehrfach den Eigentümer gewechselt und konnte international nie das Manufaktur-Renommee aufbauen, das für eine hohe Sammlernachfrage nötig wäre. Beiden Marken fehlt die Kombination aus Seltenheit, Historie und kritischer Sammlermasse.

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